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Eine Milliarde mehr Honorar für die Ärzte?

In dieser Woche ging es durch die Tagespresse und über die Nachrichtenagenturen: "Die Gesamtvergütung steigt 2011 um eine Milliarde auf rund 33 Milliarden Euro."

Bei rund 150.000 niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten wären das rund 6.700 Euro im Jahr, wenn, ja wenn das Geld wirklich fließen würde und gleichmäßig verteilt würde. Aber, sie ahnen es: die nächste Honorarlüge. Beim normalen Arzt wird davon so gut wie nichts ankommen.

Der Erweiterte Bewertungsausschuss (Kassenärztliche Bundesvereinigung, Krankenkassen-Spitzenverband und der "unparteiische" Schlichter Prof Wasem) hat eine Anhebung der Vergütung um 675 Millionen Euro beschlossen.

Der Rest von 325 Millionen Euro ist nur eine Schätzung. Die Krankenkassen nehmen an, dass die Versicherten mehr Vorsorgeleistungen und ambulante Operationen in Anspruch nehmen werden. Bei den 325 Euro handelt es sich also nicht um eine bessere Bezahlung der Ärzte für eine unveränderte Leistungsmenge, sondern um die Bezahlung zusätzlich erbrachter Leistungen. Das aber ist keine Honorarerhöhung, sondern die reguläre Bezahlung für mehr Arbeit.

675 Millionen höhere Vergütung und 325 Millionen Euro für angenommene Mehrarbeit ergeben eine Milliarde Euro. Steigen die Vorsorgeleistungen und Operationen nicht so stark, wie die Kassen annehmen, wird die Milliarde unterschritten. 

Die 675 Millionen Euro Honorarzuwachs werden in Höhe von 175 Millionen Euro für eine Erhöhung der Gesamtvergütungen der KVen um linear 0,75% verwendet. Dass das nicht gleichbedeutend mit einer Erhöhung des Honorars des einzelnen Arztes ist, habe ich hier gezeigt. Da nach wie vor hochspezialisierte Fachärzte auf Drängen der Krankenkassen neu zugelassen werden, steigt die Zahl der Ärzte jährlich um mehr als 0,75%, so dass diese Honorarrunde pro Arzt kein Steigen, sondern ein Sinken des Honorars zur Folge hat.

Die verbleibenden 500 Millionen Euro werden "asymmetrisch" auf die einzelnen KV-Bezirke veteilt. Das besonders benachteiligte Nordrhein erhält so einen Extra-Betrag von 80 Millionen Euro. Damit kann allenfalls eine kleine Abmilderung der gravierenden Honorarunterschiede zwischen den KV-Bezirken erreicht werden. Es bleiben nach wie vor erhebliche Unterschiede in der Vergütung, wohlgemerkt für die gleiche Arbeit.

erstellt am 8.10.2010

Quellen:
Artikel in der Ärztezeitung vom 5.10.2010

www.honorarluege.de, © Hans-Peter Meuser